Zweite Sitzung des Bürgerrats

Pandemie und Gesundheit

Überall gibt es Brandschutzbeauftragte. Sollte es da nicht auch Ansprechpersonen für psychologische Notfälle geben? Diese Frage stellten die Teilnehmenden des Bürgerrats Forum Corona in ihrer Sitzung am 11. September 2021. Vorgeschlagen wurde auch ein erleichterter Zugang zu Pflegeberufen. Das ist nur ein kleiner Einblick in die Diskussion der ersten der vier inhaltlichen Sitzungen des Bürgerrats, dieses Mal zum Thema Gesundheit und Corona

Die Corona-Maßnahmen und Impfkampagne zum Schutz der Bevölkerung, die Situation des Personals im Gesundheitswesen sowie psychische Gesundheit und Einsamkeit. Für diese Diskussionsthemen hatten sich die Teilnehmenden vorab in einer Abstimmung entschieden. 

Im Vordergrund stand der persönliche Austausch von Eindrücken und Erfahrungen. Denn im Forum Corona geht es nicht um Fachwissen, sondern um das Alltagswissen der Bürgerinnen und Bürger. Die Umsetzung und Kommunikation der Corona-Maßnahmen haben alle miterlebt in den letzten anderthalb Jahren. Ebenso hatten viele Bürgerinnen und Bürger in der Pandemie direkt mit den Gesundheitsämtern zu tun, haben selbst oder im engen Umfeld psychischen Belastungen oder die Arbeitssituation in der Pflege erlebt. 

In der Sitzung sammelten die Teilnehmenden Verbesserungspotentiale des Pandemiemanagements. Doch dann ging es um das eigentliche: die Entwicklung von Lösungen für die Zukunft, mit denen unter anderen die Politik arbeiten kann.

 

Situation in Schulen und Kitas

Viele Ideen und Einschätzungen wurden innerhalb der Kleingruppen geteilt, doch natürlich gab es auch Themen, bei denen die Meinungen auseinander gingen – zum Beispiel bei der Frage nach der richtigen Teststrategie, nach einer Impfpflicht oder wie eine weniger profitgetrieben Gesundheitsversorgung aussehen kann. Alle diese Meinungen wurden gehört und bildeten die Basis für Ideen und Empfehlungen, was in Zukunft besser laufen sollte. Diese werden in den nächsten Monaten weiter ausgearbeitet und im Januar 2022 vom Bürgerrat verabschiedet.

 

 

Ergänzt wurden die Beratungen der Bürgerinnen und Bürger durch Statements von Expertinnen und Experten aus der Praxis: So gab Dr. Claudia Eberhard, Abteilungsleiterin für Gesundheit im Ministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, einen kurzen Einblick in „den Maschinenraum des Krisenmanagements“ und unterstrich, dass im Ministerium in dieser sehr komplexen Zeit immer wieder weitreichende Entscheidungen unter hohem Zeitdruck gefällt werden mussten.

Ein besonderes Augenmerk habe man dabei auf die Situation der Kinder und Jugendlichen gelegt und immer darum gekämpft, dass Kitas und Schulen nicht wieder schließen müssen. Es sei zu konstatieren, dass viele Kinder und Jugendliche in der Pandemie psychisch belastet seien – viele diese Situation aber gut überstehen. Aktuell gebe es nicht den Verdacht, dass es psychische Erkrankungen in dieser Bevölkerungsgruppe durch Corona gebe.

 

Belastungen in der Pandemie

Elke Schilling, 1. Vorstandsvorsitzende und Initiatorin von „Silbernetz“, einer Telefonhotline gegen Einsamkeit für Seniorinnen und Senioren, berichtete von zahlreichen – vor allem hochaltrigen – Menschen, die das Gefühl hatten, vergessen worden und von Informationsangeboten abgeschnitten zu sein. Gelitten hätten auch viele derjenigen Älteren, die eigentlich aktiv und mobil seien, durch die Einschränkungen aber auf einmal von allem abgeschnitten gewesen seien. „Denen ist das Dach auf den Kopf gefallen“, so Schilling.

Der Vorstand des DRK Landesverbandes Sachsen e. V., Rüdiger Unger, schilderte die große Diskrepanz zwischen dem Bedarf und den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Dies sei schon in der ersten Phase der Materialbeschaffung so gewesen. Eigentlich sei es das DRK als Krisenorganisation gewöhnt, dass Materialströme abreißen könnten – dass dies aber weltweit geschah, sei eine ganz neue Situation gewesen. 

Clemens Regenbrecht, Pflegedirektor des Helios-Park-Klinikums und Herzzentrums Leipzig, gab Einblicke in den Alltag und die Belastungen seines Teams. Nach Monaten, in denen in seinen beiden Kliniken unter höchsten Anstrengungen 652 Corona-Patientinnen und Patienten versorgt wurden, von denen nur die Hälfte habe gerettet werden können, sei es für ihn und seine Belegschaft vollkommen unverständlich, „dass so viele Bürgerinnen und Bürger nicht geimpft“ seien.

Bei der Abschlussrunde signalisierten viele der Teilnehmenden einhellig: Vier Stunden vor dem Bildschirm miteinander zu arbeiten ist zweifelfrei anstrengend. Aber das wird deutlich überwogen von der guten, offenen und respektvollen Stimmung und den interessanten Diskussionen, die Lust auf die kommenden Sitzungen des Forum Corona machen.

 

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